Keine Abschiebungen nach Syrien

01.04.2026

Gemeinsam mit anderen Flüchtlingsräten haben wir eine Pressemitteilung unterschrieben und uns gegen Abschiebungen nach Syrien ausgesprochen.

Keine Abschiebungen nach Syrien!

Liebe Freund*innen,

liebe Interessierte,

Liebe Kolleg*innen,

ihr habt es sicherlich in den Medien verfolgt, anlässlich des Staatsempfangs für den derzeitigen syrischen Machthaber Ahmad al-Sharaa sprach sich Bundeskanzler Merz dafür aus, dass 80% der in Deutschland lebenden syrischen Staatsangehörigen Deutschland verlassen sollten. Laut Merz sei Syrien nunmehr sicher und die Menschen würden dort für den Wiederaufbau gebraucht.

Woran Friedrich Merz dabei nicht denkt: Viele Menschen aus Syrien haben nicht vor, Deutschland zu verlassen, weil Deutschland ihr Zuhause ist. Wir sind alle längst Nachbar*innen, Kollleg*innen und Freund*innen.

Darüber hinaus ist Syrien weiterhin kein sicherer Ort, vor allem nicht für Angehörige ethnischer oder religiöser Gruppen sowie politisch Oppositionelle. Allein in den letzten Monaten gab es unter der Herrschaft von Ahmad al-Sharaa Massaker an Alawit*innen, Drus*innen, Christ*innen und Kurd*innen, hunderttausende Menschen sind nun wieder binnenvertrieben innerhalb Syriens oder verlassen das Land erneut.

Weitaus weniger Menschen als die von Herrn Merz anvisierte Zahl sind tatsächlich ausreispflichtig – selbst wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge humanitäre Aufenthaltstitel widerrufen würde. Unter den rund 900.000 syrischen Staatsangehörigen in Deutschland befinden sich viele Menschen mit Fachkräfte-, Studien- oder Sprachkursaufenthalten, Menschen mit Niederlassungserlaubnissen und Menschen im Einbürgerungsverfahren.

Bundeskanzler Friedrich Merz spielt mit dem rhetorischen Feuer und bedient rassistische Abschiebediskurse, die Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit vor allem das Gefühl geben sollen: ihr seid hier nicht willkommen.

Dabei sind wir längst Nachbar*innen, Freund*innen und Kolleg*innen – wir gehen zusammen zur Schule, waren gemeinsam auf den Hand in Hand – Protesten und engagieren uns für eine lebenswerte Nachbarschaft für alle!

Und eben deshalb wollen wir keine Gesellschaft, in der Menschen gezwungen werden, ihr Zuhause gegen ein Leben in Unsicherheit zu tauschen.

Wir fordern daher eine Umkehr in der politischen Haltung zum nicht demokratisch legitimierten Machthaber Ahmad al-Sharaa und ein Absehen von zwangsweisen Rückführungen nach Syrien.

Wir stehen für das Recht zu gehen, zu kommen und zu bleiben! 
Für eine respektvolle Gesellschaft, in der jeder Menschen willkommen ist.

Text vom Flüchtlingsrat Berlin