Paritätischer Bericht: Wohnarmut verschärft sich – Geflüchtete besonders betroffen

Der neue Bericht des Paritätischen Gesamtverbandes zeigt erneut, wie stark steigende Wohnkosten zur Armutsfalle werden. Zieht man Warmmiete und Strom in die Berechnung ein, gelten nicht 13, sondern 18,4 Millionen Menschen in Deutschland als armutsgefährdet – ein deutlicher Anstieg auf 22,3 Prozent der Bevölkerung.

Für Menschen in besonders prekären Lebenslagen wirkt sich diese Entwicklung dramatisch aus. Geflüchtete, die oft ohnehin mit niedrigen Einkommen, unsicheren Aufenthaltsperspektiven und großen Hürden auf dem Wohnungsmarkt konfrontiert sind, sind hiervon besonders betroffen.

In vielen Kommunen – auch in Rheinland-Pfalz – führt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum dazu, dass Schutzsuchende langfristig in Sammelunterkünften verbleiben oder heruntergewirtschaftete, baufällige Wohnungen anmieten müssen.

Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, warnt: „Das eigene Zuhause wird für viele zur Armutsfalle. Wir beobachten eine Abwärtsspirale, an deren Ende immer häufiger Wohnungslosigkeit steht.“ Besonders hoch ist das Risiko bei jungen Erwachsenen, älteren Menschen, Alleinerziehenden und Familien mit mehreren Kindern – Gruppen, zu denen viele geflüchtete Haushalte zählen.

Der Paritätische fordert daher eine klare sozialpolitische Kurskorrektur: mehr bezahlbaren Wohnraum, eine dauerhafte Preisbindung im sozialen Wohnungsbau und wirksame Maßnahmen gegen Mietwucher. Zudem dürfe die geplante Einschränkung der Wohnkostenübernahme im Rahmen der neuen Grundsicherung Menschen in ohnehin prekären Situationen nicht noch weiter belasten.

Die Expertise beruht auf einer Sonderauswertung amtlicher Daten des Statistischen Bundesamts. Entscheidend ist dabei: Bei der Wohnarmutsberechnung werden die Wohnkosten vom Einkommen abgezogen – und machen sichtbar, wie groß die reale Armut in Deutschland tatsächlich ist.